Masseunzulänglichkeit – Insolvenz in der Insolvenz

Ein Insolvenzverwalter muss im Rahmen eines Insolvenzverfahrens beachten, dass die Insolvenzmasse, d.h. die vorhandene Vermögensmasse des Insolventen Unternehmens, ausreicht, um die Kosten des Insolvenzverfahrens (§54 InsO) sowie die sonstigen Masseverbindlichkeiten (§55 InsO) gedeckt sind. Wenn die Masse noch nicht einmal für die Kosten des Insolvenzverfahrens reicht, wird das Insolvenzverfahren gemäß §207 InsO eingestellt. Dies wird auch als Massearmut bezeichnet.

Auch einer drohenden Masseunzulänglichkeit kann angezeigt werden, wenn die Masse voraussichtlich nicht ausreichen wird, die bestehenden sonstigen Masseverbindlichkeiten im Zeitpunkt der Fälligkeit zu erfüllen. Siehe dazu §208 Ans. 1 Satz 2 InsO.

Die Anzeige der Masseunzulänglichkeit führt zu einer Rangrückstufung bereits entstandener Masseverbindlichkeiten. Damit gilt §209 InsO wonach folgendes gilt:

  • erstrangig die Kosten des Insolvenzverfahrens befriedigt werden (§ 54 InsO):
    • die Gerichtskosten für das Insolvenzverfahren
    • die Vergütung und Auslagen des Insolvenzverwalters
    • die Vergütung und Auslagen der Mitglieder des Gläubigerausschusses
  • zweitrangig die sonstigen Masseverbindlichkeiten (§ 55 InsO) befriedigt werden:
    • Verbindlichkeiten, die der Insolvenzverwalter innerhalb seines Wirkungskreises begründet hat
    • Ansprüche aus gegenseitigen Verträgen des Insolvenzschuldners, in die der Insolvenzverwalter nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens eingetreten ist (§ 103 InsO)
    • Ansprüche aus gegenseitigen Verträgen des Verwalters, die kraft Gesetzes zu erfüllen sind
    • Ansprüche aus ungerechtfertigter Bereicherung der Masse nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens

Im Falle einer Masseunzulänglichkeit im eröffneten Verfahren stellt der Insolvenzverwalter oftmals direkt im Anschluss den sogenannten Betriebsstilllegungsbeschluss.

Unser Tipp:

Für Lieferanten:
Stellen Sie sicher, dass Ihre Forderungen durch Ihre Warenkreditversicherung / Lieferantenpool auch für den Fall der Masseunzulänglichkeit, im eröffneten Insolvenzverfahren versichert sind. Wenn nicht ist eine Vorkassenregelung mit dem Insolvenzverwalter zu treffen die für beide Seiten machbar ist, z.B. durch regelmäßige Lieferungen, Teillieferungen, Konsignationslager (bei Großkunden), usw..

Für den Kunden:
Stellen Sie sicher, dass Anzahlungen abgesichert werden bzw. das Sie nur nach Fortschritt bezahlen. Stellen Sie weiterhin die Eigentumsübertragung sicher im Falle einer Masseunzulänglichkeit ggfs. mit anschließendem Betriebsstilllegungsbeschluss.

Für die Mitarbeiter und den betroffenen Unternehmer:
Auch in schwierigen Zeiten müssen alle zusammenhalten um zu verhindern das in einer eröffneten Insolvenzverfahren eine Massenunzulänglichkeit eintritt. Unterstützen Sie den Insolvenzverwalter und sein Team um das Unternehmen zu stabilisieren.

Für alle Parteien:
Sprechen Sie bei der kleinsten Unsicherheit mit einem versierten Fachanwalt für Insolvenzrecht. Hier erhalten Sie weitergehende, rechtliche Beratung.

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